Forum Öffentliche Beschaffung 2026: Wie wir morgen beschaffen, ist eine Frage für heute!
Wie sieht die öffentliche Beschaffung im Jahr 2040 aus? Welche Entscheidungen müssen öffentliche Auftraggeber bereits heute treffen, um künftig handlungsfähig, resilient und innovativ zu bleiben? Diesen Fragen widmete sich das Forum Öffentliche Beschaffung der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) am 17. September 2026 in Wien.
Rund 850 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft kamen in der Stage 3 in Wien zusammen, um aktuelle Herausforderungen, Trends und Zukunftsperspektiven der öffentlichen Beschaffung zu diskutieren. Ergänzt wurde das Programm durch ein Lösungsforum mit 59 Ausstellern, das konkrete Einblicke in aktuelle Angebote und Lösungen für die öffentliche Hand bot.
Bereits zum Auftakt machte Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) deutlich, wie wichtig der Austausch über die Zukunft der öffentlichen Beschaffung ist.
HBM-Hanke sagt: „Ein gemeinsamer politischer Wille und ein Aktionsplan bis Jahresende sollen sicherstellen, dass öffentliche Beteiligungen geschlossen handeln und als Vorreiter vorangehen.“
Den inhaltlichen Rahmen für den Austausch bildeten drei vom Zukunftsinstitut entwickelte Potenzialräume für die öffentliche Beschaffung im Jahr 2040. Die Räume zeigen jeweils aus unterschiedlicher Perspektive, welche Aufgaben und Möglichkeiten öffentliche Beschaffung künftig haben kann.
- Der Strategie-Raum (Procurement as Governance) zeigt, wie der Staat seine Beschaffungsausgaben strategisch nach innen organisiert und nach außen positioniert.
- Der Europa-Raum (European Procurement Operating System) zeigt, was entsteht, wenn sich nationale Systeme verbinden.
- Der Kreislauf-Raum (Procurement as Circular Architect) zeigt, wie sich Vertrags- und Budgetlogiken verändern, wenn Wert erhalten bleibt, statt verbraucht zu werden.
Diese drei Räume wirken nicht getrennt voneinander, sondern gleichzeitig und je nach Branche bzw. Beschaffungsvorhaben mit unterschiedlicher Intensität. Auf dem Forum Öffentliche Beschaffung wurden sie in TED-Talks, Panels und Praxisimpulsen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, miteinander in Beziehung gesetzt und ihre Bedeutung für den Beschaffungsalltag aufgezeigt.
Ein zentrales Learning des Forums: Öffentliche Beschaffung kann einen wichtigen Beitrag zur Erreichung gesellschaftspolitischer Ziele leisten – vorausgesetzt, strategische Zielsetzungen lassen sich rechtssicher und praxistauglich in konkrete Beschaffungsprozesse übersetzen. Klare Rahmenbedingungen, abgestimmte Zuständigkeiten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und der Beschaffung sind dafür erforderlich. Eine nationale Beschaffungsstrategie kann dabei Orientierung geben und gemeinsame Ziele festlegen. Mit dem im Zuge der Industriestrategie Österreich 2035 geplanten nationalen Aktionsplan zur strategischen und innovationsfördernden öffentlichen Beschaffung wird hier für Österreich ein erster wichtiger Schritt gesetzt. BBG-Geschäftsführer Gerhard Zotter hält dazu fest: „Gerade beim Einsatz von Steuergeldern, wo wirtschaftliche, ökologische, technologische und gesellschaftliche Anforderungen zusammenkommen, braucht es klare Steuerung, nachvollziehbare Entscheidungen und den bewussten Umgang mit Zielkonflikten.“
Geopolitische Spannungen, globale Abhängigkeiten und volatile Märkte machen Versorgungssicherheit, belastbare Lieferketten und strategische Partnerschaften zu zentralen Handlungsfeldern. Öffentliche Auftraggeber werden künftig noch stärker gefordert sein, Risiken frühzeitig zu erkennen, Ausfallszenarien mitzudenken und Beschaffungsentscheidungen langfristig auszurichten.
Öffentliche Beschaffung sollte daher stärker als Teil einer vernetzten europäischen Infrastruktur verstanden werden. Europäische Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und interoperable Daten können dazu bei-tragen, Markttransparenz zu erhöhen, neue Abhängigkeiten zu vermeiden und Europas Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und technologische Souveränität zu stärken.
Gerade die zunehmende Vernetzung von Daten macht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der öffentlichen Beschaffung zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. KI kann große Datenmengen schnell auswerten und Entscheidungsgrundlagen aufbereiten, ersetzt aber nicht die menschliche Entscheidung und erfordert klare Rahmenbedingungen bei Sicherheit, Datenschutz und Haftung.
Wie sich die Potenziale von Innovation und nachhaltiger Transformation konkret in der Praxis nutzen lassen, zeigte der dritte Potenzialraum des Forums: Eine Vertiefung für die Themen Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Innovation bot die ECOVATION, das etablierte Veranstaltungsformat der naBe-Plattform und der IÖBServicestelle, welches erstmals im Rahmen des Forum Öffentliche Beschaffung stattfand. Es wurden konkrete Perspektiven beleuchtet, wie nachhaltige und innovative Beschaffung in der Praxis wirksam werden kann.
Weitere Informationen zur ECOVATION:
Nachbericht der IÖB-Servicestelle
Nachbericht der naBe-Plattform
Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte nicht von einzelnen Akteuren allein bewältigt werden können. „Die Zukunft der öffentlichen Beschaffung entsteht nicht im Alleingang der BBG oder einzelner öffentlicher Einrichtungen. Sie entsteht dort, wo viele Akteure auf nationaler und internationaler Ebene zusammenwirken. Gerade bei digitalen Infrastrukturen, Daten und neuen Technologien braucht es gemeinsame europäische Standards, Vertrauen und den Willen, Verantwortung gemeinsam zu übernehmen“, betonte auch Martin S. Ledolter, Geschäftsführer der BBG.
Der Austausch zur Zukunft der öffentlichen Beschaffung geht weiter: Mit dem Öffentlichen Beschaffungskompass (ÖBK) steht bereits das nächste BBG-Veranstaltungsformat bevor. Gemeinsam mit VÖWG, VKÖ und dem Österreichischen Städtebund macht die BBG 2027 in Salzburg, St. Pölten und Villach Station. Im Mittelpunkt steht dabei die kommunale Beschaffung. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Öffentlichen Beschaffungskompass.
Öffentlicher Beschaffungskompass
Impressionen vom Forum Öffentliche Beschaffung 2026
Die BBG-Geschäftsführung eröffnet zusammen mit Sektionschefin Angelika Schätz das Forum Öffentliche Beschaffung.
Fokus-Panel: Chancen für Gemeinden, Stadt und Land - Welche Potenzialräume und Zukunftstrends beeinflussen am stärksten?
Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) machte deutlich, wie wichtig der Austausch über die Zukunft der öffentlichen Beschaffung ist.
Erstmalig fand das erfolgreiche Konferenzformat ECOVATION im Rahmen des Forum Öffentliche Beschaffung statt.
Harry Gatterer, CEO des Zukunftsinstituts, bei seiner Keynote “Warum die öffentliche Beschaffung 2040 ein Thema für heute ist”.
Ein interdisziplinäres Gespräch über Vertrauen, Verantwortung und Zusammenhalt zwischen L. Görgl, H. Gatterer, A. Mahlodji und M. Wadsak.
Fragen aus dem Publikum zum TED-Talk: Öffentliche Beschaffung 2040
Franz Staberhofer (FH OÖ Logistikum): Für eine detailliertere Antwort braucht es eine tiefere und vermutlich persönliche Diskussion. Deshalb auf oberster Ebene meine Sichtweise: Wir versuchen derzeit so viele Risiken abzudecken, dass wir Monopole und Oligopole produzieren (durch die Anzahl der konkreten Angebote auf Grund der Herausforderungen der Angebotsstellungen und dem informellen Druck, das nicht zu tun). Gegenüber dieser Situation sehe ich das andere Risiko als eingehbar. Das lässt sich durch outputorientierte, leistungsbeschreibende Ausgaben und Transparenz der Lieferketten und der Beteiligten anders und reduziert steuern.
Franz Staberhofer (FH OÖ Logistikum): Die Antwort wird nicht ein Grundmodell und dauernd sein, aber strategische Grundentscheidungen helfen/reichen. Bsp.: Im Sinne der Resilienz akzeptieren wir Mehrkosten bis 10% durch regionale Versorgung oder wir bekennen und zu längerfristigen Zusammenarbeiten mit Rahmenvereinbarungen, die die preisliche Transparenz qualitativ und/oder quantitativ herstellen.
Franz Staberhofer (FH OÖ Logistikum): Nur durch Veränderungen und vor allem Reduktion oder Rahmenbedingungen, sonst wird sich die Anzahl der Anbieter weiter reduzieren und die Machtposition der großen Unternehmen fördern- wenn wir über wirkliche Forcierung der KMUs sprechen, müssen wir die derzeitigen Regeln, die diese immer mehr ausschließen, reduzieren. Wir reden KMUs und fördern Konzerne (wobei teilweise int. Konzerne kleine österreichische Firmen „zwischenschalten“, damit ein regionaler Eindruck erweckt wird und der Staat dafür auch noch einen Aufpreis zahlt).
Fragen aus dem Publikum zum Impuls aus dem Gesundheitsbereich
Claude Toussaint (Navel Robotics): Die Gesprächsdaten sind pro Nutzer separat gespeichert. Ein anderer Nutzer kann nicht darauf zugreifen. Würde der Nutzer mit Navel über seine früheren Gespräche in Anwesenheit Dritter sprechen, würde Navel zu allem gewünschten Auskunft geben, so dass die anwesenden Dritte alles mithören könnten. D.h. hier müsste der Nutzer selbst entscheiden, worüber er in Anwesenheit Dritter sprechen möchte. Dass Navel selbst unaufgefordert persönliche Themen von Nutzer adressiert, wenn auch Dritte im Raum sind, ist heute nicht ausgeschlossen. Erst nächstes Jahr werden wir durch eine dezidierte Mehrnutzer-Interaktionsstrategie auf solche Themen eingehen.
Johannes Feierfeil (BBG): Die Gewichtung der Zuschlagskriterien richtet sich nach den jeweiligen Gegebenheiten und Umständen der einzelnen Vergaben. Beispielsweise können vorgegebene Musskriterien in den Ausschreibungsunterlagen einen hohen Sicherheitsstandard fordern und sicherstellen. Zur Erreichung digitaler Souveränität wäre ein möglicher Ansatz die Konzepte der Anbieter zu bewerten. Eine pauschale Aussage, zur idealen Gewichtung bei der Bewertung kann nicht getroffen werden. Wenn sehr hohe Qualitätsanforderungen als Muss-Anforderungen gefordert werden, kann auch ein hoher Gewichtungsanteil des Preises sinnvoll sein.